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Vergangenheit > Die diversen Staatskörper . Vergangenheit und Gegenwart
Der königliche Staatskörper (1500)
Otto der Große
Es war ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung, als Otto der Große am 2. Februar 962 in Rom gemeinsam mit seiner Gattin Adelheid vor den Altar über dem Petrusgrab trat, um vom Papst selbst die Krone des Reiches zu empfangen. Mit dieser Kaiserkrönung setzte Otto der Große die Tradition Kaiser Karls des Großen fort, der im Jahre 800 durch seine Krönung die Idee des untergegangenen römischen Imperiums der Antike mit dem Reich nördlich der Alpen verbunden hatte. Für Otto den Großen bedeutete der Gewinn des Kaisertitels im Wesentlichen eine Rangerhöhung, die seiner bereits errungenen Macht nördlich und südlich der Alpen entsprach. Rückblickend wird dieser Kaiserkrönung noch weitaus größere Bedeutung zugemessen. Sie gilt heute als eine Art "Gründungsakt" eines Staatsgebildes, das über die ganz erstaunliche Kontinuität von über 800 Jahren Bestand hatte und die Geschehnisse in Europa maßgeblich bestimmte: das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (Landesausstellung Sachsen-Anhalt 29. Ausstellung des Europarates vom 28. 08. bis 10. 12. 2006 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg).
Christianisierung Mitteldeutschlands
"..... Das Christentum war attraktiv: Armenfürsorge, Lebensqualität, kultureller Ausbau, Schriftkultur und stärkere Friedenssicherung. Der christliche Glaube erleichterte das Leben und vor allem auch das Sterben. Die Verkündigung des Evangeliums war weithin nicht nur oberflächlich, sondern erreichte die Hörer und weckte ihren Glauben. Die Chistianisierung Mitteldeutschlands, also der Stämme der Thüringer und Sachsen wie der (West-)Slawen, war gleichwohl ein mit Rückschlägen ablaufender Prozess von vielen hundert Jahren. 968 wurde die lange vorbereitete Ergänzung der Bistumskette durch die Gründung von Oldenburg (in Holstein) sowie der "Sorbendiözesen" Meißen, Zeitz und Merseburg abgeschlossen und das Ganze durch die Erhebung Magdeburgs zum Erzbistum gekrönt. Im großen Slawenaufstand von 983 wurden allerdings einige Bistümer zerstört und die Stellung Magdeburgs, das wesentlich die Mission mittragen sollte, stark beeinträchtigt. Erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts erlangte das Erzbistum wieder seine ursprüngliche Bedeutung.
Eine wichtige Folge der Christianisierung Mitteldeutschlands war die politische und kulturelle Eingliederung dieses Gebietes in die damalige Welt. Durch die christliche Taufe wurden germanische und slawische Völker zu einer Einheit geformt. Damit etablierte sich die spezifisch mittelalterliche Kultur als europaweites Phänomen und legte den Grund für die Konstituierung des "Abendlandes". ..... (Tausend Jahre Taufen in Mitteldeutschland - Ausstellung im Dom zu Magdeburg - vom 20. August bis 5. November 2006)
Schule der Armen
"Beim Studium der Kirchenväter und der heiligen Bücher findet sich weder Trost noch Abhilfe, denn hier wird die Armut gelobt und gepriesen und im Übrigen - durch den ständigen Verweis auf das himmlische Jenseits-Manna - nur noch verschärft." - >Schule der Armen. Leitfaden für Menschen mit geringem Einkommen.< von Sándor Márai - 1933 - bereits 1947 ins Deutsche übersetzt - Piper-Verlag. München - 2006.
Die Wurzeln der Romantik
"Adam Müller (1779-1829) sagt, dass Jesus nicht nur für Individuen, sondern für Staaten gestorben sei - eine extreme Aussage im Sinne einer politischen Theologie -, und erklärt dann, dass der Staat eine mystische Institution sei, die in den allertiefsten, unergründlichsten und unbegreiflichsten Aspekten der menschlichen Existenz wurzelt, die sich im Grunde in unablässiger Hin- und Herbewegung befindet. Der Versuch, dies alles auf Verfassungen und Gesetze zu reduzieren, ist zum Scheitern verdammt, denn schließlich ist nichts Geschriebenes lebendig; keine Verfassung, sofern sie niedergeschrieben wurde, vermag zu überleben, weil Schreiben Tod bedeutet und die Verfassung eine lebendige Flamme im Herzen von Menschen sein muss, die als eine leidenschaftliche und mystische Familie zusammenleben. Solche Aussagen sorgten mit dafür, dass die romantische Lehre allmählich auch in Bereiche eindrang, für die sie ursprünglich nicht gedacht war, und dort zeitigte sie natürlich auch schwer wiegende Folgen." - von Isaiah Berlin - Wurzeln der Romantik - 2004.
Elemente der Staatskunst
Der Nachdruck von Adam Müllers "Elemente der Staatskunst" (Vorlesung in Dresden) ist eine wortgetreue Wiedergabe der Originalausgabe von 1808 / 1809 . Die Wiedergabe der Kupfertafeln erfolgte aus technischen Gründen in Buchdruck. Die Rechtschreibung wurde geändert. Gedruckt wurde das Werk im Frühjahr 1936 für den F. W. Hendel Verlag bei Fischer & Kürsten in Leipzig (Inhaltsverzeichnis bis Seite 445; der Hinweis ist ohne Seitenzahl).
Grenzen der Gemeinschaft
Helmuth Plessner hatte darauf hingewiesen, dass beide sozialen Strukturen - die auf radikale Privatheit und Fremdenfeindlichkeit basierende faschistische und die auf unbedingte Öffentlichkeit und Nächstenliebe beruhende kommunistische - einander bedingen: "Wäre auch nur einen Augenblick das urchristliche Ideal, der ekstatische Gefühlskommunismus allverbindender Liebe zwischen allen Menschen verwirklicht, so hätte die Menschheit den äußersten Gegenpol dessen erreicht, was sie wollte. Ohne Öffentlichkeitshintergrund, gegen den sie sich absetzt, gibt es keine geschlossene Gemeinschaft. ..... Der Krieg entartet, und je pazifistischer die Ideologie wird, umso militaristischer werden die Ideologen." - von Helmuth Plessner: Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus, Frankfurt 2002. (Erstmals erschienen: Bonn 1924)
Vom Gesetzesstaat zum Rechtsstaat
Am 19. November 1934 hielt Heinrich Lange, Leipzig, Mitglied der Akademie für Deutsches Recht, zur Eröffnung des Instituts für Erneuerung des bürgerlichen Rechts an der Universität Breslau unter obigem Titel seinen Vortrag.
Zitat: "..... Den Staat mit den Maßstäben des bürgerlichen Rechts messen, bedeutet, ihn im Herbarium der juristischen Person verdorren zu lassen, ihn auf den Status quo von gestern mumifizieren. Das Auf und Nieder des Staatslebens, in dem Meeresstille und Sturm wechseln, ist dem starren Rechtsdenken unfaßlich. Alles Ungewöhnliche fällt aus dem Rahmen des Normalen, dem Normgemäßen heraus. Staatsnotstand erscheint als Stillstand der Rechtspflege und des Rechtes, als iustitium. Der Ausnahmezustand (1914) ist abnorm, er bedeutet Rücktritt des bürgerlichen Kabinetts 9).
Der französische Souveränitätsgedanke hat die Staatsmacht über das Einzelrecht siegen lassen; der germanische Freiheitsgedanke hat über der Freiheit des einzelnen und niederer Gliederungen den Staat verkümmern lassen. Das neue Rechtsdenken verneint eine Willkürherrschaft des Staates wie des einzelnen, erstrebt alleine eine Herrschaft des Volkes und damit des Rechts. Darum sind Staat wie einzelner frei, Freiheit bedeutet für beide nicht Freibrief zur Willkür, sondern Freiheit zum pflicht- und gemeinschaftsbewußten Handeln. Die Grenze aber, die der ehrbare pflichtbewußte deutsche Liberale alter Prägung, seiner schrankenlosen Freiheit frei zu setzen meinte, erkennen wir heute als die objektive Gestalt der Freiheit von Führer, Bewegung, Staat wie einzelnen im Ganzen des Volkes. .....
Der hohle Gesetzesstaat, der im letzten einen rechtlosen Staat mit einem staatenlosen Gesetz bedeutet, ist durch den nationalsozialistischen Rechtsstaat überwunden. Der Weg vom Liberalismus zum Nationalsozialismus bedeutet so den Weg vom Gesetz zum Recht, von der Nation zum Volk, vom Imperialismus zum Frieden, vom Schwerte zum Spaten."
9) Carl Schmitt, DJZtg. 1934, 947 S. 13
Die Französische Revolution 1789 - 1799
Die "bürgerliche Verfassung des Klerus" datiert vom 12. Juli 1790. Die Diözesen wurden neu eingeteilt, Bischöfe und Priester wie die Beamten gewählt, die Bestätigung durch den Papst fiel fort.
Die Theorie des Gesellschaftsvertrags verbot die Existenz von Körperschaften, von juristischen Persönlichkeiten. Die geistlichen Körperschaften fielen also, wie die Gerichtsparlamente, Gemeindeverwaltungen, Provinzialversammlungen fielen. Auch Mirabeau stimmte für die Abschaffung. Die Mitglieder des Klerus wurden Staatsbeamte. Der Staat übernahm ihre Besoldung. Das Prinzip mochte richtig sein, die Durchführung war übereilt. ..... Robespierre forderte bereits die Abschaffung des Zölibats. Sämtliche Geistliche wurden angehalten, die neuen Bestimmungen durch schriftlichen Eid anzuerkennen. Man beriet nicht mit den Klassen oder Körperschaften, die das Objekt der Gesetzgebung waren, man dekretierte: das ist der Haupteinwand, den man gegen die Revolution erheben muß.
Es ist klar, daß die neue Kirchenordnung auf erbitterten Widerstand stieß. Talleyrand und ein anderer Bischof leisteten den Eid, wofür sie von Pius VI. exkommuniziert wurden; alle anderen Mitglieder des hohen Klerus verweigerten ihn. Ebenso unter den Pfarrern; zwei Drittel des Klerus lehnten sich auf. Von den siebzigtausend Pfarrern mußten sechsundvierzigtausend ihrer Stelle entsetzt werden. Die Pfarrkinder standen zum größeren Teil auf ihrer Seite, in jeder Gemeinde bildeten sich Parteien, in der Vendée lasen die verfassungstreuen Priester die Messe vor leeren Häusern. Der Staat erwog die Verbannung der widerspenstigen Geistlichen. Mit allen diesen Dingen schuf man die Voraussetzung für die kommende Anarchie.... >Die Französische Revolution 1789 - 1799. VIII. Das zweite Jahr - Widerstand gegen die neue Kirchenordnung< von Otto Flake - 1932
"Selbsterziehung zum Republikaner und Weltbürger"
"..... In diesem Krieg hat der demokratisch-kapitalistische Imperialismus der Weststaaten gegenüber dem verrotteten dynastisch-feudal-klerikalen Imperialismus und dem Zarismus den Sieg davongetragen. Mit dem Sturz der Romanows, Habsburger und Hohenzollern ist die 1789 begonnene bürgerliche Revolution zu Ende. Wir haben nunmehr den kapitalistischen Imperialismus in seiner ihm eigenen Gestalt vor uns. Der Krieg war die Krönung unserer Wirtschaftsordnung, er ist der letzte Ausfluss unserer Gesellschaftsordnung. Einen solchen Krieg konnte nur eine Gesellschaft führen, die verblendet war durch tausend Vorurteile. Welches sind nun die Ideale, die uns so gefährlich geworden sind und für die uns gelehrt wurde, in den Tod zu gehen? Die Nation, das Volk, die Gleichheit, die Freiheit, die Ordnung und endlich die Kultur. Unter der Flagge der Nation wurde dieser Weltkrieg geführt. Was hat man uns von Kindheit an für das Vaterland dressiert. Ein Vaterland jedoch, in dem ein einziger Säugling verhungert, ist nichts wert." - Victor Hammerschlag, Eröffnungsvortrag der Loge Sokrates, Wien, Mai 1919 - aus >Verdrängt und vergessen - Friedensnobelpreisträger Alfred Hermann Fried< von Walter Göhring, Verlag Kremayr & Scheriau Wien - 2006.
Die lange Vorgeschichte der Nationenbildung und des Nationalismus
Süss ist die Pflicht, für das Vaterland zu streiten
Die deutsche Krankheit
"..... Charakteristisch war vielmehr, daß die Ängste und Frustrationen, die aus diesen Reibungen entstanden, ihr Ventil in einer Fülle von Protest- und Antihaltungen antisemitischer, antietatistischer, kulturpessimistischer und antiliberaler Prägung fanden, deren Affekte als Werte legitimiert wurden, die sie als kulturelle Hinterlassenschaft des städtischen Sondertums ausweisen. Die erstickende Enge dieser Vorstellungswelt wurde von der kleinbürgerlichen Selbsteinschätzung als >Wärme< der Gemeinschaft idealisisiert, die gegen die angebliche >Kälte< einer anonymisierten, atomisierten modernen Gesellschaft ausgespielt wurde. ..... Auch wenn diese unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus keineswegs direkt miteinander verkehrten, so fanden dennoch die Schlagworte, mit denen sie hantierten, über viele Kanäle öffentliche Verbreitung und damit auch Eingang in die Denkmuster der Mittelstandsbewegung, die sich, weil sie wesentlich unsystematischer gestrickt waren als jene der intellektuellen Vorbeter, für die Ohren der meisten als um so gängiger erwiesen. Diese Beeinflussung war nie nur von oben nach unten verlaufen. Nicht allein Wilhelm Heinrich Riehl (1823-1897) hatte es als die Tugend seines Verständnisses von >Social-Politik< begriffen, dem Volk aufs Maul zu schauen (Land und Leute - 1854). Das taten auch andere, die sich um >Authentizität< bemühten, um sich davon für ihr künstlerisches, philosophisches oder sozialwissenschaftliches Schaffen inspirieren zu lassen. ....." Die deutsche Krankheit. Eine kurze Geschichte der Gegenwart - von Johannes Willms - 2001.
Informationen zum mittelalterlichen Handelsrecht
Die europäischen Juden und das Zeitalter der Kreuzzüge
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